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Februar 2017

Rückblick auf 37 Jahre Umwelt- und Naturschutzarbeit der BUND-Kreisgruppe Kusel

von Rüdiger Quaer

Die Kreisgruppe Kusel des Bundes für Umwelt und Naturschutz besteht seit ungefähr 37 Jahren. Anlass für einen kurzen Rückblick.

Die siebziger und frühen achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts waren in der Bundesrepublik eine Zeit des Anfangs und des Gründungsfiebers von Bürgerinitiativen in vielen gesellschaftlichen Bereichen. So auch im Natur- und Umweltschutz.

Der Club of Rome, der schon 1960 auf die Endlichkeit der Ressourcen hinwies, Rachel Carson, die in ihrem Buch 'Der stumme Frühling' die Schädlichkeit von Pestiziden in der Landwirtschaft anprangerte, und viele Autoren, die u.a. die Gefahren der Atomenergie darstellten, gaben die Richtung für einen umfassenden und lautstark eingeforderten Umweltschutz vor. Viele Bürgerinitiativen entstanden, die diese neuen Ideen vortrugen.

Dieser Linie schlossen sich bald auch die älteren und eher konservativen Naturschutzverbände an, wie z. B. der Bund Naturschutz Bayern und der Bund für Vogelschutz (DBV), der sich später konsequenterweise in Naturschutzbund Deutschland (NaBu) umbenannte.

Die Vorläuferorganisation des BUND Landesverband Rheinland-Pfalz wurde 1973 als Landesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz Rheinland-Pfalz mit dem ersten Vorsitzenden Wolfgang Staab gegründet, später in 'Bund Natur- und Umweltschutz Rheinland-Pfalz (BNR)' umbenannt und schließlich ab 1983 als Landesverband des bundesweit agierenden Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) geführt.

Seit 1973 war Wolfgang Staab unverdrossen und unermüdlich in Rheinland-Pfalz unterwegs, um in allen kreisfreien Städten und Landkreisen Ortsgruppen bzw. Kreisgruppen der neuen Organisation aufzubauen. So auch 1980 im Kreis Kusel, wo im zweiten Anlauf die Gründung einer Kreisgruppe gelang. Für mich persönlich war damals die konsequente Ablehnung der Atomkraft der ausschlaggebende Punkt, um dieser Organisation beizutreten. 

Die Anfangszeit in den achtziger Jahren war durch ein besonderes emotionales Engagement der Mitglieder geprägt. Dies zeigte sich in wöchentlichen Sitzungen und der Bildung von kollektiven Vorständen, in denen ich aktiv mitarbeitete. Wir führten öffentlichkeitswirksame Aktionen wie die Propagierung von Mehrwegverpackungen durch und organisierten öffentliche Veranstaltungen wie zu den Themen Waldsterben und Atomenergie.

Dies alles war mit einem großen Zeitaufwand verbunden, was auf Dauer nicht zu leisten war.

Hinzu kam, dass die jungen Mitglieder nicht in allen Bereichen über die notwendige fachliche und juristische Kenntnis  und Erfahrung verfügten, um sich gegen Verwaltung und Kommunalpolitiker behaupten zu können, wenn ihre Anfragen und Vorschläge abgewiegelt, niedergebügelt und abgeschmettert wurden.

Denn die betroffenen Ämter, ihre Vertreter und Kommunalpolitiker beäugten anfangs  alles argwöhnisch, was von den 'jungen Wilden' kritisiert oder angemahnt wurde. In der damaligen Zeit galt das Eintreten gegen die Atomenergie schon fast als revolutionär und das Wort Waldsterben wurde als Tabubruch angesehen, da eine Schädigung des Walds nicht bewiesen sei, wie es von amtlicher Seite hieß. Dass in dieser Zeit des Aufbruchs alle Umweltverbände im Kreis zusammen Erfolge erzielten, zeigte sich u.a. in der Verhinderung einer Überflutung der Aalbachaue durch den Stau des Aalbachs (Pfeffelbachs) zwischen Ruthweiler und Kusel.        

Anfang der neunziger Jahre, als die Euphorie der Gründungsphase nachließ, fungierten Gilbert Warken, Erhard Jahn und Arnulf Werle als Vorsitzende und erhielten den Verband unter schwierigen Bedingungen am Leben. 

Mit dem Eintritt von Winfried Sander und besonders dank seiner Übernahme des Vorsitzes folgte eine neue, dritte Etappe in der Umweltarbeit der BUND-Kreisgruppe Kusel. Von Anfang an gemeinsam mit seinen Mitstreitern Hans Werner Schepper, Jan Fickert wurde mit großem persönlichen Einsatz das gesamte Feld des Natur- und Umweltschutzes beackert.                   

Diese Arbeit war gekennzeichnet durch geduldiges, ausdauerndes und unbeirrtes Beobachten der Umwelt, Hinweisen auf Missstände, Planen und praktisches Umsetzen von Verbesserungsvorschlägen. So eigneten sich die Akteure ein großes Fachwissen an in den Bereichen des Natur- und Umweltschutzes, des Umweltrechts, des Umgangs mit Behörden, Verwaltung und Kommunalpolitik an. Durch diese konsequente und immer mehr professionelle Arbeit hat sich die BUND-Kreisgruppe inzwischen im Kreis Kusel den Ruf eines zwar kritischen, aber konstruktiven und kompetenten Ansprechpartners erworben und viele Auszeichnungen erlangt. 

Die folgende Liste der Aktivitäten ist nicht vollständig, soll aber einen Einblick in das große Potenzial und die Vielfalt der Kreisgruppenarbeit in den vergangenen zwanzig Jahren bieten, auch als Anreiz, sich neu zu engagieren:

Praktischer Naturschutz: Verwendung einer Schenkung für den Kauf einer Streuobstwiese bei Glan-Münchweiler und Kultivierung derselben durch Baumschnitt, Mahd, Obsternte und Verarbeitung desselben zu Saft und Konfitüren. Zusammenarbeit mit dem DLR (Dienstleisungszentrum ländlicher Raum), das direkt angrenzend an dieses Gelände als Ausgleichsmaßnahme eine weitere Streuobstwiese anlegte.

Privater Kauf eines ehemaligen Stellwerks in St. Julian an der Draisinenstrecke und mühevolle mehrjährige Herrichtung desselben als Naturschutz- und Informationszentrum (NIZ) für die BUND-Kreisgruppe mit einem Raum für Versammlungen und Ausstellungen im Sommer und Ausgangspunkt für Exkursionen.

- Ausstellungen zur Geschichte der ehemaligen Bahnstrecke Staudernheim - Homburg, zu Schmetterlingen und zur Biodiversität.

- BUND-Ausstellung zu Wiesenprojekt im Geoskop auf Burg Lichtenberg.

- Entwicklung eines Radwegekonzepts für den Kreis Kusel. -Veranstaltung zur Förderung der Verbreitung der Wildkatze. -Präsentation der BUND-Anliegen bei Bauernmärkten und Ökomessen.

Über Jahre hinweg Erstellung eines vielfältigen Jahresprogramms mit Exkursionen zu einer speziellen Thematik des Natur- und Umweltschutzes wie z.B. Biodiversität, Schmetterlinge, Vogelstimmenwanderungen sowie Fahrradtouren an autofreien Sonntagen und vieles mehr.

Aber auch Veranstaltungen zu weitergehenden kulturellen Themen: Astronomische Nachtwanderungen im Oktober und  Spaziergänge in den Rauhnächten zwischen den Jahren mit literarischen Lesungen.

Hinzu kam die Teilnahme an Aktionen und Fortbildungen des BUND-Landesverbandes mit der Ausbildung zu  Wasserläufern und  Wiesenbotschaftern.    

Als Höhepunkt dieser Arbeit kann das in den Jahren 2011 - 2013 durchgeführte Pilotprojekt zum Erhalt regionaltypischer Mostbirnen der Westpfalz angesehen werden. Die Kreisgruppe erforschte und kartierte Mostbirnen im Kreis Kusel mit dem Ziel, die heimische Biodiversität zu fördern und zur Anpflanzung junger Bäume zusammen mit der Baumschule Ritthaler in Hütschenhausen sowie zur Nutzung des Obsts von Altbäumen anzuregen. Das auf drei Jahre angelegte Projekt ist durch die Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz, die GlücksSpirale und den Potzbergverein gefördert worden. 

Die Ergebnisse dieser Arbeit wurden in mehreren Publikationen veröffentlicht wie in den Westricher Heimatblättern vom November 2014 und in großen Veranstaltungen präsentiert. Sie stießen bei Fachleuten sowie bei der breiteren Bevölkerung auf großes Interesse und erlangten öffentliche Anerkennung.

Der große Erfolg dieses Projekts ist um so erstaunlicher, weil er im Grunde allein durch Winfried Sander und seine Mitstreiter ermöglicht wurde. Eine Arbeit, die eigentlich nicht von Ehrenamtlichen, sondern eher von einem staatlich beauftragten Planungsbüro geleistet werden sollte.

Es war klar, dass es nach dieser Kraftanstrengung wieder etwas ruhiger um die Kreisgruppe werden würde. Bei allen allseits anerkannten Erfolgen ist es nämlich nicht gelungen, mehr Aktive für die Arbeit im Umwelt- und Naturschutz zu gewinnen. Ein Phänomen, das man auch in vielen anderen Vereinen und Verbänden schmerzlich feststellen muss. 

Nun will sich Winfried Sander nach ca 25 Jahren als Vorsitzender aus der ersten Reihe der Kreisgruppe zurückziehen. Damit steht ein erneuter Umbruch in der Kreisgruppenarbeit an.

Aber - keine Angst - aus der Reihe der Mitglieder hat jemand schon signalisiert, dass er für den Vorsitz zu kandidieren bereit ist. Damit ist schon die erste und größte Hürde für die Weiterarbeit genommen. Wir hoffen nun, dass sich durch dieses Anschreiben auf der Jahreshauptversammlung unter den ca. 150  Mitgliedern  einige finden werden, die den neu zu wählenden Vorsitzenden unterstützen und damit den BUND als wichtige Institution auf Kreisebene erhalten, die für Natur und Umwelt eintritt. Einige der bisherigen Aktivitäten der Kreisgruppe haben sicher Ihr Interesse geweckt und den Wunsch, diese fortzusetzen.  

Selbstverständlich werden der bisherige Vorsitzende Winfried Sander und seine Mitstreiter dem neuen Vorstand mit Rat und Tat zur Seite stehen.



Das Naturschutz- und Informationszentrum in St. Julian





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